Bauablauf/Aktuelles

Arbeitsbeginn

Nachdem die vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen waren, und auch ein „Fachmann“ Waldemar Reindl (Adresse siehe Impressum) gefunden war, der uns aus eigener Jurtenbau- Erfahrung mit wertvollen Ratschlägen und Tipps zur Seite stand und steht wurde entschieden, dass wir die Wände der Jurte, die so genannten „Khanas“ (Scherengitter, siehe Bauplan), aus Rundhölzern, welche die Kinder selbst im Wald ausforsten sollten, herstellen werden. Glücklicherweise fand sich in der Elternschaft der Schule ein Förster Georg Freidel, der sich schnell für unser Projekt begeisterte und bald seine Hilfe zusagte.

 

Erster Arbeitseinsatz: Oktober 2003                           

Gleich zu Beginn des 3.Schuljahres ging es dann los: Bereits Anfang Oktober machten sich die Drittklässler mit dem Förster Georg Freidel auf den Weg in einen nahe gelegenen Wald, um dort in einem Jungbestand möglichst dünne, gerade gewachsene Ahorn- und Eschenstämmchen auszuforsten (Durchmesser ca. 3-4 cm / Höhe ca. 2,50 m). Bei der ersten Aktion kamen ca. 140 Stangen zusammen, (Gesamtbedarf für die Khanas ca. 200 Stk.) die gleich im Wald entastet und auf ca. 2,10 m abgelängt wurden. 

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Beginn der Schälarbeiten

Um das Entrinden zu erleichtern, wurden die gebündelten Stangen zunächst im Schulbiotop eingewässert. Bald darauf trafen sich an einem sonnigen Samstag Eltern, Schüler und Geschwister der 3.Klasse zu einem ersten großen Arbeitseinsatz, der fast zu einem Fest wurde. Hinter dem Schulhaus wurde ein Arbeitsplatz angelegt und ein Lagerplatz für die Stangen gebaut, im Schulgarten die ersten Stangen geschält, während eine kleine Gruppe über offenem Feuer einen köstlichen Gemüseeintopf kochte. Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Innenhof der Schule wurde nochmals fleißig geschält, um dann den ersten gemeinsamen Arbeitseinsatz mit den Familien bei Kaffee und Kuchen abzuschließen. Es war ein fröhlicher, hoffnungsvoller Beginn für den Bau der Jurte.

 

Weitere Arbeitseinsätze: Herbst 2003

Nachdem nun das Schälen der Stangen begonnen war und die Kinder somit diesen Arbeitsgang kennen gelernt hatten, wurde immer wieder während des Unterrichtsvormittags am neu eingerichteten Arbeitsplatz in kleinen Gruppen geschält. Erfreulicherweise kam für einige Tage unser „Jurtenfachmann“ Waldemar zu Besuch, der den Kindern von seinem Leben in einer Jurte erzählte und auch mit uns an den Stangen arbeitete. Ebenso beriet er uns im Baukreis über die weiteren Planungen und sagte uns zu, im Frühjahr die große Filzaktion der Wand- und Dachfilze mit uns gemeinsam durchzuführen. Vor dem Wintereinbruch war es geschafft: die erste Ladung Stangen (ca. 140 Stk.) lag schön weiß geschält am gerichteten, überdachten Lagerplatz.

 

Januar/ Februar 2004: Die Arbeit geht weiter

An einem Abend trafen sich die Mitglieder des Baukreises in der Schulwerkstatt, um die geschälten Stangen weiter zu bearbeiten. Diese sollten zu ca. 1/3 abgehobelt werden, um anschließend die Löcher für die Schnurverbindungen zu bohren. Der angesetzte Abend verging letztendlich mit Versuchen, wie und mit welchen Maschinen am besten gearbeitet werden kann. An einem nächsten Abend konnte dann mit weiteren Eltern eine große Anzahl Stangen bearbeitet und zur Weiterbearbeitung durch die Kinder vorbereitet werden. Ca. 60 Stangen wurden mit elektrischen Handhobelmaschinen einseitig abgehobelt und ein Loch gebohrt.  Die Kinder dürfen nun in einer nächsten Arbeitsaktion mit Akku-Bohrern und mit Hilfe einer Bohr-Lehre und Elternunterstützung pro Stange ca. 10 Löcher bohren.

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Dachkranz „Krone“

Für die Herstellung des aufwändig konstruierten Dachkranzes, der so genannten „Krone“ , konnten wir einen Schreiner gewinnen (Bastian Schöne, ehemaliger Waldorfschüler aus Berlin), der sich für unser Jurtenprojekt begeisterte und zusagte, in ehrenamtlicher Tätigkeit in unserer Schulwerkstatt die „Krone“ herzustellen. In selbständiger Arbeit fertigte Sebastian Schöne verschiedene Entwürfe an und bereits Anfang Februar kam er nach Schopfheim in die Schule zu Besuch um mit der Arbeit zu beginnen. Insgesamt arbeitete er 5 Tage an der Krone, wobei er jeden Morgen in die Klasse kam, um den Kindern von den anstehenden Arbeitsschritten zu berichten und sie so in die Entstehung des Dachkranzes mit einzubinden. Außerdem konnten die Schülerinnen und Schüler in kleinen Gruppen immer wieder in die Schulwerkstatt gehen und die Arbeitsschritte mitverfolgen. Am Freitag, den 13. Februar war die weitgehend fertig gestellte Krone mit 1,40 m Durchmesser dann bereits zu bewundern und wartet seither im Klassenzimmer auf ihren Einsatz am First der Jurte.

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Dachstangen

Am Samstag, den 28.Februar 04, begab sich ein kleines Grüppchen Eltern und Kinder mit der Klassenlehrerin bei kaltem, sonnigem Winterwetter in den Wald, um die Stangen für das Dach auszuforsten. Während am sonnigen Waldrand über dem Feuer der Gemüseeintopf zur Stärkung der Arbeiter gekocht wurde, holten Erwachsene und Kinder 100 schöne, gerade gewachsene Bäumchen von ca. 3-6 cm Durchmesser und ca. 4 m Länge aus dem Wald, entasteten diese und deponierten sie im Wald zum Abtransport. Einige unermüdliche HelferInnen begannen gleich am Feuer mit dem Schälen, so dass sogar schon einige leuchtend weiße Stangen zur Schule gebracht werden konnten. Als nächsten Arbeitsschritt für die Dachkonstruktion müssen nun diese Stangen auf ca. 3 Meter abgelängt, geschält und nach oben zulaufend verjüngt (geschnitzt) werden.

 

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Am Samstag, den 27.März 04 unterstützte uns schon zum zweiten Mal die Jugend- und Fahrtengruppe „Artaban“ während ihrer regulären Gruppenzeit von 10 bis 12 Uhr beim aufwändigen Schälen der Dachstangen. Für die 3,50 m langen Stangen benötigt man pro Stück ca. 1,5 Stunden Arbeitszeit, bis die Stange wirklich gut abgeschält ist. Dabei muss vor allem darauf geachtet werden, dass nach dem groben Schälen auch die feine Haut, die sich bald dunkel färbt, sauber abgeschabt wird. Erfolgt dieser Vorgang nicht gleich beim ersten Arbeitsgang, trocknet die Haut fest an das Holz an und ist nur mit großer Mühe wegzubekommen.
Da diese Arbeit auch eine gewisse Kraft in den Händen erfordert, war es den kleineren Kindern nicht immer möglich, die Arbeit selbständig wirklich zu Ende zu führen. Hier musste dann immer wieder von Erwachsenen nachgearbeitet werden.
Dank der Hilfe von Artaban sind inzwischen alle 100 Dachstangen soweit geschält, dass sie nun weiter bearbeitet werden können. Vielen herzlichen Dank!

 
Aus 170 Stangen werden langsam die 5 Scherengitter
Am Dienstag, den 30. März trafen sich am Abend wieder einige arbeitswillige Eltern in der Schulwerkstatt, um die Khana-Stangen soweit vorzubereiten, damit die Drittklässler selbständig daran weiter arbeiten können. Das heißt, das erste Loch bohren und die Stange auf die genaue Länge absägen. Des weiteren wurde am Scherengitter gefädelt, um den Arbeitsablauf für die Arbeit mit den Kindern gut vorzubereiten. Hierbei ist es wichtig, eine gut durchdachte Fädeltechnik herauszufinden, da das Gitter dann in einzelne Elemente zerlegt werden soll.
 

Am Freitag, den 2.April, arbeiteten die Kinder der 3.Klasse während ihres regelmäßig stattfindenden „Werkstatt-Vormittages“ in kleinen Gruppen an den Holzarbeiten der Jurte.
Während eine Gruppe weitere Khana-Stangen bohrte, waren andere damit beschäftigt, die ersten Fädelarbeiten am Scherengitter mit Unterstützung einer Schülermutter vorzunehmen.
Die weiteren Gruppen stellten verschiedene Osterbasteleien her (Osterkranz, Gänseei bemalen, Plätzchen backen). Im rotierenden System durchlief so jede Gruppe für eine Arbeitseinheit von 30 Minuten jeden Arbeitsgang.
Da in der Klasse solche Arbeitsvormittage in ähnlicher Form regelmäßig stattfinden, sind die Kinder schon sehr souverän und mit Freude dabei, so dass der Ablauf meist reibungslos von statten geht. Selbstverständlich gelingt dies nur mit Unterstützung von den Eltern, die bei der Betreuung der einzelnen Gruppen mithelfen. Dafür ein dickes Dankeschön im Namen der Kinder und der Klassenlehrerin!

An drei weiteren Abenden werden die Khana-Stangen z. T. noch geschliffen, da sie sich braun verfärbt haben, mit Leimöl eingeölt, die Dachstangen gekürzt, die Khana-Gitter gebunden, die Technik, die Gitter miteinander zu verbinden, entwickelt....

 
Türfilz

Bei einem weiteren "Werkstatt-Vormittag" am 7. Mai wurden von den Kindern die Dachstangen gebohrt und eine Schnur durchgezogen, um die Dachstangen im Scherengitter einzuhängen, das letzte Khana-Gitter wurde gebunden, und nachdem Waldemar Reindl von Allen wieder mit großem Hallo begrüßt worden war, die Dachstangen angespitzt auf 25 mm Durchmesser. Besonders spannend war für Alle natürlich das erste Filzen. Der Türfilzes wurde mit den Kindern zusammen gefilzt. Heike Jost hatte die Motive schon vorbereitet, die von den Kindern ausgeschnitten wurden, gelegt und anschließend gefilzt wurden. Alle waren mit großer Freude dabei.

An diesem Tag hatten wir als Abschluss des Schulvormittags Besuch von Regular und Ihren beiden Söhnen. Regular hat zwei Sommer in der Mongolei in einer Jurte gelebt und hat uns viel Interessantes über das Leben in der Jurte berichtet. Z.B. das im Osten die Frauenseite ist und im Westen die Männerseite, das die Frauen sich um die Milch und die Verarbeitung derselben kümmern und die Männer um das Vieh und das Jagen und das die Mongolen ein sehr gastfreundliches Land ist - man wird immer eingeladen, wenn man an einer Jurte in der Mongolei vorbeikommt. 

 
Filzen der Wand- und Dachfilze

Am Samstag begann dann das Vorbereiten des Filzens der großen Wand- und Dachplanen.
Die Waschkessel wurden angeheizt für heißes Wasser, die Seifenflocken eingeweicht und mit viel Einsatz aufgelöst. Der Rahmen für die Wandfilze zusammengeschraubt (2,20 m x 6,10 m). Unter den Rahmen wird ein großes Tuch ausgebreitet, auf dem dann innerhalb des Rahmens die Wollfliese ausgelegt werden. Diese Arbeit muss sehr sorgfältig gemacht werden, damit die Planen gleichmäßig dick und faltenfrei werden. Bei den Wandfilzen wurden 2 Lagen gelegt insgesamt 10 kg Wolle je Plane.

Danach wurde die Wolle vorsichtig (damit die lose gelegte Wolle darunter nicht verrutscht) mit altem Vorhangstoff abgedeckt und dann mit heißem Seifenwasser begossen. Dann wird die Wolle durch drüberlaufen und mit der Hand reiben angefilzt. Dieser Vorgang hat bis zu 3 Stunden gedauert und danach wurde der Filz auf einen Rundbalken gerollt. Auch hier ist es wichtig, das er sehr exakt aufgerollt wird. Der Filz wird vor dem Aufrollen nochmals mit heißem Seifenwasser begossen (ca. 6 große Gießkannen) und dann langsam möglichst fest aufgerollt. Wenn das geschafft ist, wird die Rolle sehr fest verschnürt indem man die Schnur im Zickzack auf den Boden neben die Rolle legt, die Rolle auf den Zickzack rollt und dann die rechts und links neben der Rolle liegenden Schnurenden mit einer Schnur verbindet. Dann wird die Rolle in eine sehr feste Gewebeplane eingerollt und nochmal verschnürt. Mit einem Hubwagen und einer Möbelrolle wurde die Rolle bis zum Pferd gefahren und dann mit 2 Ketten hinter dem Pferd angespannt. Für die Kinder wurde zum geradeziehen der Rolle hinten noch Seile mit Haltestangen angebracht. Das Pferd lief dann zu einer nahegelegenen Wiese, wo es ca. 1 Stunde große Kreise zog (rechts und links herum). Dann ging es wieder nach Hause, die Rolle wurde ausgepackt, die Plane begutachtet und gemessen und dann umgedreht und von der anderen Seite her wieder aufgerollt, 2x eingepackt und wieder hinter das Pferd gespannt. Wieder zu Hause wurde der Filz ausgepackt, in Form gezogen und dann mit Hilfe des Bachwassers und einer großen Pumpe ordentlich gewässert, damit das Seifenwasser gut ausgewaschen wird (da sonst der Filz brüchig wird). Nach dem Abtropfen wurde er dann aufgehängt zum Trocknen.

Dienstagabend waren auf diese Art und Weise 5 Wandfliese fertig. Am Mittwochmorgen wurde zuerst der Filz, der den Dachkranz abdeckt vorbereitet und gefilzt (3,75 x3,75 m, 3-lagig). Dann begann die Vorbereitung für das Auslegen der Dachfilze, die aussehen wie große Tortenstücke. (ca. 80 Grad-Segment mit 6m Radius). Für die Dachfilze wurden auch 3 Lagen Fliese verarbeitet, pro Segment wurden ca. 30 kg Wolle ausgelegt. Das Anfilzen dauert entsprechend länger und der Flies muss, da er sonst zu breit ist, zusammengeklappt werden. Die Flächen die dann nicht doppelt liegen werden mit Tüchern auf die gleiche Dicke wie der Flies gebracht. Das Aufrollen und einpacken ist der gleiche Vorgang, nur viel aufwendiger, weil die Rolle mit dem Wasser nachher bis zu 200 kg schwer wird.

Zum Rollen auf der Wiese kam dann auch für die Dachfilze der Trecker von der Familie Wagner zum Einsatz, der je 2 Stunden eine Seite der Plane bearbeitete, bevor die Rolle ausgepackt, gewendet, begutachtet und neu eingepackt wurde (diesmal allerdings auf der Wiese), um dann nochmals 2 Stunden (ca. 20 Runden) die andere Seite zu bearbeiten.

Samstagabend um 21.00 Uhr war der letzte Filz fertig! Sonntag wurde aufgeräumt und Montag aufgebaut. 

 Aufgebaut wurde die Jurte inzwischen einige Male, 3-4 Stunden dauert der Aufbau, vom Aufstellort aussuchen bis wieder das schöne Raumgefühl geniesen. Dazwischen liegen Arbeiten vom Aufstellkreis anzeichnen mit Sägemehl, über Scherengitter in der richtigen Höhe und Breite aufstellen und miteinander verzurren und die Tür einzubinden, über die Karnas mit zwei langen Schnüren sichern, den Dachkranz mit den Dachstangen aufsetzen und alle 80 Dachstangen einsetzen und befestigen, Stützen unterstellen. Dann die Wandfilze befestigen und die Dachfilze aufs Dach ziehen, am Dachkranz befestigen. Je nach Einsatz den Kamineinsatz einschrauben und den Ofen aufstellen, Dachfilze mit Seilen und Steinen sichern, Teppiche reinlegen und dann genießen...